Parfum-Grundlagen: Duftnoten, Konzentrationen, Haltbarkeit
Duftpyramide, Duftfamilien, EdT gegen EdP, Sillage und Haltbarkeit – die Begriffe, mit denen jede Produktbeschreibung arbeitet.
Die Duftpyramide ist ein Zeitmodell, kein Rezept
Fast jede Produktbeschreibung nennt Kopf-, Herz- und Basisnote. Gemeint ist damit keine Zutatenliste, sondern eine Reihenfolge des Verdunstens. Leichte, kleine Moleküle verfliegen zuerst, schwere bleiben.
- Kopfnote – die ersten 5 bis 20 Minuten. Zitrus, Kräuter, frische Früchte. Das ist der Teil, den Sie im Laden riechen. Er sagt am wenigsten darüber aus, wie der Duft an Ihnen wirken wird.
- Herznote – etwa 20 Minuten bis zwei, drei Stunden. Blüten, Gewürze, grüne Noten. Hier zeigt sich der Charakter.
- Basisnote – ab etwa zwei Stunden, oft bis zum nächsten Tag. Hölzer, Harze, Moschus, Vanille, Amber. Das ist der Teil, mit dem Sie leben.
Praktische Konsequenz: Zwei Düfte mit fast identischer Kopfnote können sich nach einer Stunde völlig unterscheiden. Und ein Duftzwilling, der in der ersten Minute überzeugt, kann in der Basis auseinanderfallen. Genau dort liegt bei günstigen Nachbildungen erfahrungsgemäß der Unterschied – die Basis ist teuer.
Duftfamilien: eine Landkarte, kein Gesetz
Duftfamilien ordnen Parfums nach ihrem dominierenden Eindruck. Es gibt keine amtliche Einteilung; verschiedene Systeme konkurrieren. Verbreitet sind vier Grundrichtungen:
- Frisch – Zitrus, aquatisch, grün, aromatisch. Beispielrichtung: die typischen „Sport“-Herrendüfte.
- Blumig – Rose, Jasmin, Maiglöckchen, Tuberose. Die größte Familie überhaupt.
- Orientalisch (auch „Amber“) – Vanille, Harze, Gewürze, Amber. Schwer, süß, wärmeabhängig.
- Holzig – Sandelholz, Zedern, Vetiver, Patschouli, Oud.
Die meisten modernen Düfte sind Mischformen: „blumig-holzig-moschusartig“ ist eine übliche Einordnung. Der Nutzen der Familien liegt nicht in der Präzision, sondern im Ausschluss – wer weiß, dass er schwere orientalische Düfte nicht mag, kann große Teile eines Sortiments überspringen.
EdT, EdP, Extrait: worin sich die Kürzel unterscheiden
Die Kürzel beschreiben den Anteil an Duftöl im Alkohol-Wasser-Gemisch. Es gibt dafür keine gesetzlich festgelegten Grenzwerte – die Spannen sind Branchenkonvention, und Hersteller weichen davon ab. Als grobe Orientierung:
| Bezeichnung | Duftölanteil (typisch) | Was das praktisch heißt |
|---|---|---|
| Eau de Cologne | 2–5 % | Hält ein bis zwei Stunden. Zum großzügigen Auftragen gedacht. |
| Eau de Toilette (EdT) | 5–15 % | Der verbreitetste Typ. Hält meist drei bis fünf Stunden. |
| Eau de Parfum (EdP) | 15–20 % | Kräftiger und länger. Der Standard bei den meisten Duftzwillingen. |
| Extrait de Parfum | 20–40 % | Dicht und nah an der Haut, oft mit wenig Sillage. |
Ein verbreiteter Irrtum: EdP sei „dieselbe Zusammensetzung, nur stärker“. Das stimmt selten. EdT- und EdP-Fassungen desselben Namens sind meist unterschiedlich komponiert – die EdT-Version ist häufig frischer abgestimmt, nicht bloß dünner. Wer eine Nummer aus einer Duftzwillingsliste kauft, sollte deshalb wissen, welche Fassung des Originals gemeint ist.
Und: Ein höherer Ölanteil bedeutet nicht automatisch „besser“. Er bedeutet dichter. Ein Extrait kann leiser wirken als ein EdT, weil schwere Moleküle weniger weit in den Raum getragen werden.
Sillage und Projektion sind nicht dasselbe
Zwei Begriffe, die ständig verwechselt werden:
- Projektion ist die Reichweite jetzt: Wie weit um Sie herum ist der Duft wahrnehmbar? Meist am größten in der ersten Stunde.
- Sillage (französisch für Kielwasser) ist die Spur, die bleibt, nachdem Sie einen Raum durchquert haben.
Beides hängt weniger vom Preis ab als von der Komposition. Ein günstiger, moschuslastiger Duft kann eine erhebliche Spur ziehen; ein teurer Extrait kann praktisch unsichtbar bleiben. Wenn eine Duftzwillingsliste „starke Sillage“ als Qualitätsmerkmal verkauft, misst sie das Falsche.
Haltbarkeit: die Faktoren in der Reihenfolge ihrer Wirkung
„Wie lange hält der Duft?“ ist die häufigste Frage – und die am schwersten zu beantwortende, weil die Streuung zwischen Personen größer ist als zwischen Produkten. Was den Unterschied macht, ungefähr in dieser Reihenfolge:
- Die Basisnote der Komposition. Ein Zitrusduft kann nicht acht Stunden halten. Die Moleküle sind zu flüchtig. Das ist Chemie, kein Qualitätsmangel.
- Ihre Haut. Trockene Haut lässt Duft schneller verfliegen als fettige. Der Unterschied kann Stunden betragen.
- Der Untergrund. Auf Kleidung hält jeder Duft deutlich länger als auf Haut – ohne die Entwicklung über die Pyramide.
- Die Konzentration. Wichtig, aber schwächer als die drei Punkte darüber.
Der wichtigste Punkt zum Schluss: Dass Sie Ihren Duft nach 30 Minuten nicht mehr riechen, heißt fast nie, dass er weg ist. Das Geruchssystem passt sich an konstante Reize an. Andere Menschen nehmen ihn weiter wahr. Wer daraufhin nachsprüht, überdosiert systematisch.
Was das für Duftzwillinge bedeutet
Aus dem Obigen folgen drei Punkte, die für jede Zuordnung in unseren Listen gelten:
- Eine Zuordnung „Nummer X ist angelehnt an Duft Y“ bezieht sich auf die wahrnehmbare Struktur, nicht auf die Rezeptur. Die ist Betriebsgeheimnis.
- Die größte Abweichung liegt meist in der Basis und im Verlauf – also genau dort, wo ein Test im Laden nicht hinkommt.
- Ob eine Nummer für Sie „nah genug“ ist, entscheidet Ihre Haut. Das ist keine Ausrede, sondern der Grund, warum wir keine Ähnlichkeitsprozente angeben. Sie wären erfunden.
Quellen
- IFRA – Standards Library – Branchenstandards für den Einsatz von Duftstoffen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel – Rechtsrahmen für Kennzeichnung und Zusammensetzung